Harfe in allen Variationen

 

Lilo Kraus ist nicht nur eine herausragende Virtuosin der klassischen Harfe, sie spielt auch keltische Harfe und Bauernharfe und geht ein musikalisch höchst außergewöhnliches Gespräch mit „Blues Harp“ und Percussion ein.

Seit über 5000 Jahren erfreut sich die Harfe ungebrochener Beliebtheit, u.a. dank so hervorragender Künstler wie König David, Harpo Marx, "Mogi" Munkh-Erdene, Tormenta Jobarteh oder Lilo Kraus. Die drei letzteren konnten wir für „der andere klang“ gewinnen, bei den ersten zwei kamen wir leider etwas zu spät.  Mogi Munkh-Erdene ist eine grandiose Virtuosin der mongolischen Yatga, einer Wölbbrettharfe. Der weiße Griot Tormenta Jobarteh  ist ein Meister der afrikanischen Harfe Kora. Und die Harfenistin Lilo Kraus bringt dieses wahrhaft viel-saitige Instrument außergewöhnlich viel-seitig zu Gehör. Nicht nur, dass die Soloharfenistin der Nürnberger Philharmoniker die Konzertharfe im ganzen Spektrum des klassischen Repertoires bis in die Moderne virtuos beherrscht. Sie ist musikalisch ausgesprochen offen und experimentierfreudig und wagt sich mit ihrer Harfe auch in Genres, die man nicht sogleich mit diesem Instrument verbindet. Oder würden Sie beim Blues an Harfe denken?

1956 in Deggendorf (Niederbayern) geboren, wird Lilo Kraus schon früh von der traditionell bayerisch-böhmischen Volksmusik ihrer Heimat geprägt. Aufnahmen mit der zehnjährigen Harfenspielerin in Stubenmusikbesetzung belegen dies. Es folgt das Studium der Harfe in Nürnberg und Hannover, das sie 1987 mit Auszeichnung beendet. 1988 erarbeitet sie in Paris Werke von Debussy mit dem berühmten Harfenisten Pierre Jamet. Fest engagiert bei den Philharmonikern und am Staatstheather in Nürnberg spielt die Harfenvirtuosin oft auch als Gastsolistin mit bekannten Orchestern und Dirigenten wie Kent Nagano, James Levine oder Christian Thielemann. Gastspiele führen sie in viele Länder Europas wie auch nach China, Russland oder Paraquay. Als Dozentin an der Hochschule für Musik in Nürnberg liegt ihr die Ausbildung junger Harfenmusiker sehr am Herzen.

In ihrem erfolgreichen Programm „Harfe Solo“ spielt Lilo Kraus, von der auch Solo-CDs erschienen sind, neben der Konzertharfe auf der keltischen Harfe und der Bauernharfe. Musik aus Irland, Spanien, Südamerika, dem böhmisch-bayerischen Kulturraum und ein Querschnitt der klassischen Musik bieten ein abwechslungsreiches Panorama der Harfe.

Etwas ganz besonderes ist das Programm „Classic Harp meets Blues Harp“. Die Mundharmonika wird im Blues auch als Harp, Harfe, bezeichnet, warum auch immer. Chris Schmitt ist ein ausgewiesener Virtuose der „Blues-Harp“. Er und Lilo Kraus, Partner in der Musik und im Leben, lassen ihre so unterschiedlichen „Harfen“ gemeinsam ertönen - und siehe da, sie klingen wunderbar zusammen. Dritter im Bunde ist der renommierte Percussionist und Schlagwerker Yogo Pausch. Mit dem Bassisten Marco Kühnl kann diese Formation noch zum Quartett erweitert werden. Die Musiker präsentieren ein variantenreiches Repertoire von Klassik über zeitgenössische Avantgarde bis hin zu swingendem Jazz und Blues. Ein einmaliges musikalisches Vergnügen, mit Esprit und Virtuosität serviert.

Einige Male ist Lilo Kraus auch zusammen mit Chris Schmitt und dem bekannten Münchner Radiojournalisten Michael Skasa aufgetreten, mit sehr positiver Resonanz.

Eine spezifische "Gefahr" beim Musizieren mit der Harfe wäre vielleicht das Abheben ins Ätherische, Feen- und Engelhafte, besonders wenn die Spielerin von blonden Locken umkränzt wird, wie das bei Lilo Kraus der Fall ist... Aber sie erliegt dieser Gefahr nicht. Die sympathische Künstlerin hat einen wohltuend bodenständigen Humor. Wenn sie mit leichtem niederbayerischen Akzent ihre Konzerte moderiert, mit profundem Wissen und verschmitztem Witz, entzieht sie jedem problematischen Trend nach oben den Boden, indem sie in eben jenem fest verwurzelt ist. „Wurzelmusik“, so hat sie eine ihrer CDs genannt. Ein Konzert mit Lilo Kraus und ihrer Harfe, ob im Solo, mit ihren „Blues Brothers“ oder anderen Mitmusikern, ist ein Vergnügen, nicht nur der rein musikalischen Art.